Erfolgreiche Fortsetzung des Erasmus-Projekts im spanischen Galicien: Fachinformatiker bringen smarte Umweltmesssysteme in die „Serienfertigung“
„Das war schon harte Arbeit! – Aber toll, was man alles Sinnvolles in einem echten Projekt schaffen kann!“ So bringt Arne Dörfert seine Erfahrungen aus dem IT-Auslandsprojekt „digital.forest.lab – Wir machen Wälder und uns fit für eine nachhaltige Zukunft“ in Galicien (Spanien) auf den Punkt.
Wie steht es um das Wachstum junger Bäume in Zeiten des Klimawandels? Und wie kann moderne Technik dabei helfen, die Erfolge einer Wiederaufforstung zu verstehen und künftig effizienter zu gestalten? Diesen Fragen ging eine Projektgruppe des CSBME auf den Grund. Im Rahmen einer 18-tägigen Erasmus+-Projektfahrt ins spanische Galicien installierten die angehenden Fachinformatiker selbst entwickelte, energieautonome Umwelterfassungssysteme und bauten so eine Brücke zwischen Technik und Naturschutz.
Nachhaltige Projektarbeit: Vom Prototyp zur Serienfertigung
Nachdem im vergangenen Jahr (im Juni 2025) die erste „Pioniergruppe“ von angehenden Fachinformatikern in O Grove (Galicien) den grundlegenden Prototypen des Messsystems entwickelt hatte, ging es für die diesjährige, zweite Gruppe um den nächsten großen Schritt – die Skalierung dieser erfolgreichen Arbeit.
Die Vorarbeiten begannen einige Wochen vor der Auslandsmobilität im schulischen Labor der Informationstechnik des CSBME. Gemeinsam mit den drei spanischen Praktikanten Iago Pérez Meis, Marcos Cacabelos Álvarez und Jorge Pontes Hermo von der Partnerschule Monte da Vila in O Grove (Galicien), die zu dieser Zeit ein dreimonatiges Praktikum in Bielefeld absolvierten, gingen die deutschen Fachinformatiker-Azubis in die „Serienfertigung“. Hand in Hand wurden Platinen gelötet, Gehäuse montiert und mehrere identische Messsysteme parallel aufgebaut.
Am 14. Mai 2026 startete die „Expedition“ nach Galicien: An Bord eines bis unters Dach mit Technik und Werkzeug beladenen „Bullis“ machten sich sieben angehende Fachinformatiker gemeinsam mit ihrem Projektbetreuer Manuel Boada auf den Weg.
Der Alltag in O Grove verlangte den angehenden Fachkräften ein hohes Maß an Eigenorganisation ab. Jeder Tag im Apartment begann strukturiert: Direkt nach dem gemeinsamen Frühstück trafen sich die Teilnehmer zur Festlegung des Tagesziels und zur detaillierten Arbeitsplanung.
„Für mich war das Highlight zu sehen, wie aus einer vagen Idee zur Gehäusehalterung durch unsere Zusammenarbeit im Laufe der Tage etwas richtig Handfestes entstanden ist. Das macht einen am Ende schon stolz“, beschreibt Jannik Brinkmann das Gefühl nach getaner Arbeit.
Auch abseits der Technik war Selbstständigkeit gefragt, denn die Einkäufe und die gesamte Verpflegung wurden von der Gruppe komplett in Eigenregie organisiert und durchgeführt.
Verpflegung und Arbeiten im Apartment in O Grove.
Die „Hochzeit“ – Platine und Gehäuse werden zusammengeführt.
Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Günther Spelsberg GmbH + Co. KG aus dem sauerländischen Schalksmühle. Durch die großzügige Schenkung von mehreren robusten Industriegehäusen (Web: www.spelsberg.de) wurde es erst möglich, die empfindliche Elektronik optimal vor den rauen Witterungseinflüssen in den galicischen Bergen zu schützen und das Projekt in dieser Größenordnung erfolgreich umzusetzen.
Das fertiggestellte System erweist sich als echter „Datensammler“: Erfasst werden die Feuchtigkeit, die Temperatur, der pH-Wert sowie die elektrische Leitfähigkeit des Bodens, ergänzt durch Messungen der Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit.
Die finale Phase des Projekts gestaltete sich als intensive, Hand in Hand gehende Kooperation vor Ort in O Grove: In den Werkstätten und Laboren der Partnerschule IES Monte da Vila wurden die Messsysteme im direkten Austausch zwischen den deutschen und spanischen Schülerinnen und Schüler feinjustiert. Es wurden letzte technische Details optimiert, bevor das Team zum entscheidenden Härtetest aufbrach: Bei einem durchgeführten Probelauf über eine Distanz von beeindruckenden fünf Kilometern zwischen zwei Sender-Nodes und einer Empfängerstation bewies die LoRa-Funktechnik ihre Zuverlässigkeit und enorme Reichweite.
Schüler der Partnerschule Monte da Vila gemeinsam mit den Azubis des CSBME sowie die Fachkollegen und ihre Exponate. Links: Jochen Holwitt (Bereichsleiter Brufsschule IT vom CSBME) mit den spanischen Kollegen Jose Carlos García Valladares und Pablo Gallego Falcόn.
Diese enge fachliche Zusammenarbeit mündete schließlich in einem gemeinsamen Austausch, bei der die bisherigen Ergebnisse und der erfolgreiche Testlauf den spanischen Schülerinnen und Schülern sowie den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt und diskutiert wurden. Erst nach dieser erfolgreichen Validierung ging es an die finale Montage in die 200 Kilometer entfernte Bergregion von O Courel in der Provinz Lugo.
In den Bergen von O Courel (Provinz Lugo)
Hitze-Einsatz in den Bergen von O Courel und Fernüberwachung aus Bielefeld
Die Installation in den rauen Bergen von O Courel, genauer gesagt in dem Dorf Aldea de Froxán, verlangte dem Team alles ab: Unter extrem widrigen Umständen – mitten in der prallen Tagessonne bei über 30 Grad Celsius – errichteten die Schüler des CSBME die zentrale Empfängerstation sowie die ersten fünf funktionsbereiten Sendernodes. Die verbleibenden Messknoten der Serie werden in den kommenden Monaten vor Ort integriert, um das Messnetzwerk zu komplettieren.
Ankunft in Froxán, vor „Manolos“ Haus.
Installation der ersten Messanlage.
Eine Messanlage in farnbewachsener Hanglage vor verbliebenen Baumskeletten des verheerenden Waldbrands von 2022.
Das Herzstück dieses Projekts bildet eine ESP32-Mikrocontroller-Plattform in Kombination mit LoRa-Funktechnologie. Alle Sender-Nodes arbeiten komplett energieautonom über eigene Solarpanels und integrierte Akkus. Die zentrale Empfängerstation – bestehend aus einem LoRaWAN-Gateway und LTE-Router – wird über eine Kombination aus Solarpanel und Blei-Gel-Akku betrieben.
Die am Hang verteilten Sender-Nodes senden ihre Daten in einer Sterntopologie an das LoRaWAN-Gateway. Hierbei kommt die LoRa-Funktechnologie zum Einsatz, welche perfekt für ländliche Gebiete oder Wälder geeignet ist, da sie extrem stromsparend arbeitet und Daten über viele Kilometer übertragen kann. Von dort aus gelangen sie per Mobilfunk an „ChirpStack“, einem LoRaWAN-Server. Dieser prüft die Autorisierung der Sender und leitet die Umweltdaten an eine zentrale Datenbank weiter, in der sie für spätere Datenanalyse bereitgehalten werden.
Ein besonderer technischer Clou des Systems ist seine globale Erreichbarkeit: Über den ChirpStack-Server kann das CSBME-Team den Zustand der Sender-Nodes und des Gateways künftig von Bielefeld aus in Echtzeit überwachen. Sollte es zu einer Störung kommen, kann durch die enge Kooperation mit den Einheimischen im Dorf (unter anderem mit „Manolo“) im Bedarfsfall direkt eingegriffen werden.
Ebenso entscheidend für den Projekterfolg war die Unterstützung der MarcanT AG aus Bielefeld. Das IT-Unternehmen stellte uns einen leistungsstarken LTE-Router inklusive der passenden Mobilfunkanbindung zur Verfügung. Erst diese digitale Infrastruktur schuf die notwendige Basis für unser Projekt: Sie garantiert die zuverlässige und kontinuierliche Datenübertragung direkt aus der entlegenen Bergregion O Courel auf unseren Server. (Web: www.marcant.net)
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Lebensgefühl pur beim Surfen an der „Playa de la Lanzada“
Teambuilding zwischen Atlantikstrand und Santiago de Compostela
Dass bei aller Arbeit auch der Spaß und das Gemeinschaftsgefühl nicht zu kurz kamen, versteht sich von selbst. Die arbeitsreichen Vormittage gingen regelmäßig in erholsame Spätnachmittage über: An den zahlreichen Sandstränden in O Grove wurde ausgiebig gechillt, gebadet oder die Wellen beim Surfen bezwungen.
Ein besonderes Highlight abseits der Projektarbeit war u. a. ein gemeinsamer Tagesausflug zum weltberühmten Jakobsweg-Pilgerzielort Santiago de Compostela. Neben der beeindruckenden historischen Kulisse der Stadt nutzte die Gruppe die Gelegenheit, tief in die galicische Kultur einzutauchen und die für die Region typische Küche zu probieren – darunter traditionelle Meeresfrüchte-Gerichte wie „Pulpo, Mejillones y Gambas“, aber auch die süßen, klassischen „Churros“.
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Entspanntes „Bummeln“ auf der Plaza de Platerías vor der Kathedrale. Im Hintergrund ist der „Pferdebrunnen“ (Fonte dos Cabalos) zu sehen.
Blick auf die berühmte Kathedrale von Santiago de Compostela (UNESCO Weltkulturerbe seit 1985) vom Alameda-Park.
Ein Gewinn für die Umwelt und Blick in die Zukunft
Durch die kontinuierliche Überwachung können die Projektpartner vor Ort sowie die Bielefelder Biologen und Schülerinnen und Schüler des Oberstufen-Kollegs nun in Echtzeit erkennen, ob die neu gepflanzten, jungen Bäume unter Trockenstress stehen oder optimale Wachstumsbedingungen vorfinden. Darüber hinaus entsteht so eine fundierte Datenbasis, die über lange Zeiträume hinweg ausführliche Auswertungen ermöglicht.
Nach der Reise ist vor der Reise: Die Planung für ein Folgeprojekt steht bereits in den Startlöchern. Künftig soll die grafische Visualisierung der Messwerte weiter optimiert werden. Zudem ist geplant, die Stationen um UV-Sensoren sowie Webcams zu ergänzen, um neben den Umweltdaten auch optische Eindrücke des Pflanzenwachstums direkt zu übertragen.
Nach 18 intensiven Tagen kehrte die „Expeditionsgruppe“ am 31.05.2026 mit jeder Menge Praxiserfahrung und unvergesslichen Eindrücken im Gepäck zurück – bereit, die gewonnenen Erkenntnisse in ihrer weiteren Ausbildung anzuwenden.
Gefördert und kofinanziert wird das Projekt (2025-1-DE02-KA122-VET-000322724) durch das Erasmus+-Programm der Europäischen Union, das den Austausch von Innovation und Fachwissen über Ländergrenzen hinweg aktiv ermöglicht.
Sponsoren & Unterstützer:
Günther Spelsberg GmbH + Co. KG, Web: www.spelsberg.de
MarcanT AG, Web: www.marcant.net















